Nordstern von Helmut Kuhn


mare verlag
gebunden
256 Seiten
2002
Ersterscheinung 2002

Nordstern war der erste Roman des Journalisten Helmut Kuhn.

„Es ist ein kalter Tag im Februar. Die kahlen Kastanien vor meinem Fenster krümmen sich im Wind, und ein begriffloser Schrecken durchfährt mich. Sieben Ebenen errechnet die Mathematik auf der geschwungenen Linie der Katastrophe. Ich habe versucht zu vergessen. Ich wollte leben. Aber ist es überhaupt mein Leben, das ich da geführt habe? War es nicht vielmehr das seine, das ich nacherlebe, das ich fortsetze? Als sei ich ein ganz anderer, während mein wahres Ich auf dem Schiff geblieben ist, dort, wo es hingehörte, an Vaters Seite?“

Es geht um Max Kreuzberg. Er lebt in New York und arbeitet als Journalist. Doch Max hat sein Leben nicht im Griff. Die Vergangenheit lässt ihn nicht los, seine Kindheit, sein Vater und die gemeinsame Zeit sind für ihn ständig präsent.

Vom Vater gab es kein Lebenszeichen mehr seit Max 15 Jahre alt war. Das Segelschiff, die Nordstern, verschwand mit ihm spurlos in der Karibik. Mit diesen Erinnerungen umzugehen, fällt Max schwer. Um sie zu verdrängen, hat er sich in Exzesse und Alkohol gestürzt, doch vergessen konnte er sie nicht. Der Anruf eines Polizeibeamten reißt Max schließlich aus seiner jahrelangen Lethargie. Er beschließt den Dingen auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was wirklich mit der Nordstern geschehen ist.

Im Grunde geht es um Max‘ Erinnerung an seinen Vater, den Vater „mit dem Walrossbart“. Einzelne Erlebnisse, kleine Anekdoten werden erzählt, Puzzleteil an Puzzleteil gereiht, bis ein Bild von einem Vater entsteht, der für Max manchmal Vorbild, sogar Held war. Besonders ist sicherlich, dass die Geschichte, die hier geschildert wird, sich tatsächlich ereignet hat. Es ist Helmut Kuhns eigene. Mit diesem Wissen liest sich das Buch noch eindringlicher.

Ich kann kaum in Worte fassen, wieso mich dieses Buch so berührt hat und weshalb es mich noch lange begleiten wird. Es gibt zwei Ebenen, die das Buch gestalten: Zum einen gibt es die Suche, das Nachforschen nach dem Geschehenen. Max einzelne Schritte und wie er einer Wahrheit immer näher zu kommen scheint, gibt der Geschichte ihren Fluss. Man hofft und bangt mit ihm, möchte mit ihm zusammen seinen Vater finden oder zumindest endlich Gewissheit erlangen. Auf der anderen Seite wird Max Inneres preisgegeben und das ist noch viel ergreifender, manchmal fast schmerzhaft. Er scheint sich selbst vollkommen verloren zu haben – oder noch gar nicht gefunden? Ich hatte fast das Gefühl, selbst Max zu sein und manchmal traf mich die Erschütterung mit voller Wucht.
Das ist ein Buch, das ich nicht mehr missen möchte!

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