Die Schrecken des Eises und der Finsternis von Christoph Ransmayr

Ein Buch über die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition von 1872 bis 1874. Kombiniert wird diese Dokumentation (angereichert mit Zitaten aus den Notiz- und Tagebüchern der Besatzung) mit der fiktiven Geschichte um Joseph Mazzini, der in den 1960er Jahren die Route der Expedition nachempfinden will und dazu zum Nordpol aufbricht.

Mit diesem Buch habe ich mich wirklich gequält. Wochenlang habe ich es mit mir herumgeschleppt und immer wieder versucht, den Faden nicht zu verlieren und Begeisterung zu empfinden. Aber ich bin kläglich gescheitert. Dabei ist das Thema so vielversprechend.

Der Handlungsstrang zur eigentlichen, tatsächlichen Nordpolexpedition war für mich am interessantesten. Allerdings fühlte ich mich mit Fakten und Zitaten schlichtweg überfordert. Auch die technischen Details waren für mich als Laie oft nicht nachvollziehbar und in ihrer Fülle daher eher störend. Christoph Ransmayr gelingt es nicht, die interessanten und unterhaltenden Fakten und Anekdoten aus der tatsächlichen Expedition herauszufiltern. Somit war es eher ermüdend, sich durch etliche Kleinigkeiten und Tagebucheinträge hindurchzuarbeiten. (Ja, arbeiten!)

Die eingewobene Geschichte um Joseph Mazzini, die am Anfang durchaus ihren Reiz hat, wurde im Laufe des Buches für mich immer undurchsichtiger und anstrengender. Mazzinis Persönlichkeit blieb mir verschlossen, sein Charakter so kühl, dass ich beim besten Willen nicht sagen kann, ob ich ihn sympathisch oder unsympathisch finde. So wie seine Motivation für die Reise nicht nachvollziehbar wird, bleibt er selbst undurchdringlich.

Auf der einen Seite von Fakten erschlagen, begibt man sich auf der anderen Seite in eine unterkühlte, meiner Meinung nach überflüssige Nachahmung. Ein Buch, von dem ich mir viel versprochen habe und das mich am Ende sehr enttäuscht hat.

Fischer Verlag
Taschenbuch
263 Seiten
1996
Ersterscheinung 1984

 

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