Tod und Teufel von Frank Schätzing

Alles beginnt mit einer Verschwörung und einem Mordauftrag.  Köln, 1260: Eine Gruppe angesehener und wohlhabender Patrizier verbünden sich für ein gemeinsames Ziel. In die Quere kommt scheinbar nur der Dombaumeister Gerard Morart. Da er mehr weiß als er sollte, ist seine Beseitigung die einzige Lösung. Unfreiwillig wird der Tagelöhner und Gelegenheitsdieb Jacob Zeuge des Mordes. Von diesem Moment an kann er sich seines Lebens nicht mehr sicher sein…

Gleich auf der ersten Seite steigt man als Leser mitten hinein in ein Komplott. Worum es aber genau geht, wird immer nur angedeutet und so liest man weiter, gespannt auf die Lösung dieses Rätsels. Die Sprache ist flüssig und sehr bildhaft, weshalb man das Umblättern der Seiten kaum noch wahrnimmt.

Ich bin kein großer Leser von historischen Romanen. Ich habe oftmals in der Abteilung für historische Bücher den Verdacht – vielleicht zu Unrecht? – , dass sich dort einfach zu viel Schund verbirgt. Und deshalb greife ich meist gar nicht erst zu und wandele lieber ein paar Regale weiter.
Zu diesem Buch habe ich dennoch gegriffen. Zum einen weil mir Der Schwarm so gut gefallen hat und ich gehofft hatte, dass es sich nicht um ein One-Hit-Wonder handelt. Zum anderen weil es mir mehr als ein Mal empfohlen wurde. „Spannend von der ersten Seite“, hieß es da. Und ich muss zugeben: Es stimmt. Schätzing scheint einfach das Talent zu haben, den Leser schon mit den ersten Sätzen zu fesseln.
Man merkt dem Buch die vorausgegangenen, intensiven Recherchen an. Das Buch lebt durch seine Details, Beschreibungen und authentischen Charaktere. Natürlich bin ich kein Mittelalter-Experte, aber dennoch hatte ich nicht das Gefühl, moderne Menschen seien einfach ein paar Jahrhunderte zurück, in ein anderes Jahrhundert geworfen worden – wie ich das bei einigen anderen Mittelalter-Büchern empfunden habe.

Mein Fazit: Eine sehr spannende, kurzweilige Reise ins mittelalterliche Köln, die mich nicht nur mit einer mitreißenden Handlung, sondern auch ganz nebenbei mit tausenden kleinen Wissenshappen versorgt hat.  Das versöhnt mich ein wenig mit historischen Romanen im Allgemeinen und macht vor allem Lust auf mehr von diesem Autor!

Goldmann Verlag
Taschenbuch
509 Seiten
2003
Ersterscheinung 1995
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Als ich schlief von Norbert Zähringer

Klappentext:

Berlin 1985. Beim Landeanflug auf die geteilte Stadt fällt der Flüchtlingsjunge Ismael aus dem Fahrwerkschacht eines Flugzeugs und überlebt. Auf den Zeitungsballen einer Altpapierhalde im Westen findet ihn Paul Mahlow, Judokämpfer, Frauenheld, Langzeitstudent und Wachmann. Während er den Jungen in ein Krankenhaus fährt, wird Mahlows bester Freund Alp bei einer Demonstration bewusstlos geschlagen – und wacht nicht wieder auf. Die bis dahin überschaubare Welt der beiden gerät aus den Fugen. Aus dem Koma heraus, gleichsam über allen schwebend und nicht nur allgegenwärtig, sondern auch alles erinnernd, erzählt Alp die Geschichte ihrer Freundschaft, die Geschichte Ismaels und die manchmal tieftraurige, dann wieder haarsträubend komische Geschichte seiner Familie, in der ein geheimnissvoller Großvater eine teuflische Rolle spielt. 

Die Klappentext war vielversprechend, auch wenn es um ein Thema ging, zu dem ich  noch nie etwas gelesen habe. Nichts destotrotz war ich gespannt auf die Umsetzung. Die Einstieg in das Buch mit einer Rückblende war originell und ich fühlte mich in der Wahl des Buches bestätigt. Nach wenigen Seiten allerdings kam ich mit dem Text nicht mehr zurecht. Es hat mich einfach nicht gepackt. Die Charaktere waren – in meinen Augen – langweilig bis unsympathisch. Niemand konnte richtig mein Interesse wecken. Der Verlauf der Handlung an sich hätte spannend sein können, wurde aber so lapidar beschrieben, dass ich ab Seite 88 einfach keine Lust mehr hatte. ABBRUCH

Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt für das Buch, vielleicht ist es aber auch einfach nicht mein Fall. Es landet jetzt erst mal wieder im Regal…

Rowohlt Verlag
gebunden
288 Seiten
2006
Ersterscheinung 2006

Nordstern von Helmut Kuhn


mare verlag
gebunden
256 Seiten
2002
Ersterscheinung 2002

Nordstern war der erste Roman des Journalisten Helmut Kuhn.

„Es ist ein kalter Tag im Februar. Die kahlen Kastanien vor meinem Fenster krümmen sich im Wind, und ein begriffloser Schrecken durchfährt mich. Sieben Ebenen errechnet die Mathematik auf der geschwungenen Linie der Katastrophe. Ich habe versucht zu vergessen. Ich wollte leben. Aber ist es überhaupt mein Leben, das ich da geführt habe? War es nicht vielmehr das seine, das ich nacherlebe, das ich fortsetze? Als sei ich ein ganz anderer, während mein wahres Ich auf dem Schiff geblieben ist, dort, wo es hingehörte, an Vaters Seite?“

Es geht um Max Kreuzberg. Er lebt in New York und arbeitet als Journalist. Doch Max hat sein Leben nicht im Griff. Die Vergangenheit lässt ihn nicht los, seine Kindheit, sein Vater und die gemeinsame Zeit sind für ihn ständig präsent.

Vom Vater gab es kein Lebenszeichen mehr seit Max 15 Jahre alt war. Das Segelschiff, die Nordstern, verschwand mit ihm spurlos in der Karibik. Mit diesen Erinnerungen umzugehen, fällt Max schwer. Um sie zu verdrängen, hat er sich in Exzesse und Alkohol gestürzt, doch vergessen konnte er sie nicht. Der Anruf eines Polizeibeamten reißt Max schließlich aus seiner jahrelangen Lethargie. Er beschließt den Dingen auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was wirklich mit der Nordstern geschehen ist.

Im Grunde geht es um Max‘ Erinnerung an seinen Vater, den Vater „mit dem Walrossbart“. Einzelne Erlebnisse, kleine Anekdoten werden erzählt, Puzzleteil an Puzzleteil gereiht, bis ein Bild von einem Vater entsteht, der für Max manchmal Vorbild, sogar Held war. Besonders ist sicherlich, dass die Geschichte, die hier geschildert wird, sich tatsächlich ereignet hat. Es ist Helmut Kuhns eigene. Mit diesem Wissen liest sich das Buch noch eindringlicher.

Ich kann kaum in Worte fassen, wieso mich dieses Buch so berührt hat und weshalb es mich noch lange begleiten wird. Es gibt zwei Ebenen, die das Buch gestalten: Zum einen gibt es die Suche, das Nachforschen nach dem Geschehenen. Max einzelne Schritte und wie er einer Wahrheit immer näher zu kommen scheint, gibt der Geschichte ihren Fluss. Man hofft und bangt mit ihm, möchte mit ihm zusammen seinen Vater finden oder zumindest endlich Gewissheit erlangen. Auf der anderen Seite wird Max Inneres preisgegeben und das ist noch viel ergreifender, manchmal fast schmerzhaft. Er scheint sich selbst vollkommen verloren zu haben – oder noch gar nicht gefunden? Ich hatte fast das Gefühl, selbst Max zu sein und manchmal traf mich die Erschütterung mit voller Wucht.
Das ist ein Buch, das ich nicht mehr missen möchte!