Die Asche meiner Mutter von Frank McCourt

Zu diesem Buch ist eine ausführliche Rezension wohl unnötig. Jeder hat zumindest schon mal davon gehört und kennt in groben Zügen die Geschichte. Vor ein paar Jahren ging das Buch auch durch meinen Bekanntenkreis, aber zu dieser Zeit hatte ich noch kein Interesse an einer autobiografischen und zudem todtraurigen Geschichte. Und nun habe ich sie doch gelesen, eigentlich nur, weil ich das Buch zu einem unglaublich günstigen Preis erstehen konnte.

Und nun muss ich zugeben, dass die Begeisterung rund um das Buch gerechtfertigt ist. Besonders bewegend war für mich, dass die Geschichte nicht aus der Sicht des im Nachhinein nachsinnenden Frank McCourt geschrieben wurde, sondern aus der Perspektive des zunächst 4jährigen, dann 6-, 9-, 10jährigen Franks. Man spürt seine kindliche Verwirrung, sein Unverständnis, wenn z.B. sein Vater die Finger von den „Pints“ nicht lassen kann oder seine kleine Schwester stirbt:

„Margaret kann er nicht mehr haben, denn die ist wie der Hund auf der Straße, den sie weggeschafft haben. Ich weiß nicht, warum sie weggeschafft wurde. Meine Mutter hat gesagt, sie ist in ihrem Kinderwagen gestorben, und das ist wohl so, als würde man vom Auto überfahren, denn hinterher schaffen sie einen weg.

Ich wünsche mir, dass Margaret wieder da ist, wegen der Suppe. Ich könnte sie füttern, so wie Mrs. Leibowitz meine Mutter füttert, und sie würde glucksen und lachen wie bei Dad. Sie würde nicht mehr weinen und meine Mutter würde nicht mehr Tag und Nacht im Bett liegen…“ 

Gerade diese Perspektive erzeugt eine Intensität, die erschüttert und manchmal fassungslos macht. Keine nette Abendlektüre also, die man einfach so weglesen kann, aber trotzdem möchte ich das Buch nicht in meinem Regal missen. Denn neben dem kargen Alltag, der dem Leser beschrieben wird, gibt es immer wieder Episoden, die auch zum Lachen bringen. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt.

Luchterhand Literaturverlag
gebunden
497 Seiten
2000
Ersterscheinung 1996